Prothesen-Reinigung
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(© iStockphoto.com/Hengfen Li)Ohne regelmäßige Reinigung geht es auch bei den Dritten Zähnen nicht. Ein künstlicher Zahn kann zwar nicht "erkranken" wie ein natürlicher Zahn, z.B. an Karies. Aber jeder Zahnersatz kann funktionsuntüchtig werden, wenn er nicht regelmäßig gereinigt wird. Außerdem können Beläge am Zahnersatz auch die Schleimhaut oder auch noch vorhandene eigene Zähne schädigen.
Zahnbelag schadet auch "den Dritten"
Nicht nur für die natürlichen eigenen Zähne ist Zahnbelag der Feind Nr. 1, sondern auch für die künstlichen. Zahnbelag bildet sich überall dort, wo Essensreste nicht entfernt werden - da machen die künstlichen Zähne überhaupt keine Ausnahme! Zuerst bleibt weicher Zahnbelag ("Plaque") an den Prothesenflächen kleben. Wird die Plaque nicht entfernt, verhärtet sie zu einer festen Masse, die nicht umsonst "Zahnstein" heißt. Mit einer normalen Zahnbürste ist dieser Zahnstein am Zahnersatz (aber auch den natürlichen Zähnen) nicht mehr zu entfernen - das schafft nur der Zahnarzt z.B. mit Ultraschallgeräten, Schleif- und Polierbürstchen.
Besonders bei herausnehmbarem Zahnersatz sind harte Zahnbeläge problematisch. Zahnstein setzt sich überall fest, auch an den Verbindungselementen und Kontaktflächen, die eigentlich für einen optimalen Halt an den Träger- bzw. Pfeilerzähnen sorgen sollen. Geringste Ablagerungen von festem Zahnbelag machen sich sehr schnell bemerkbar, weil Zahnersatz und Träger-/Pfeilerzahn auf Bruchteilen von Millimetern passend zueinander gearbeitet wurden. Wenn der Zahnersatz nicht mehr so leicht wie am Anfang herausgenommen werden kann, ist das ein erstes Alarmzeichen: Dann sollte möglichst rasch der Zahnarzt aufgesucht werden.
Herausnehmbarer Zahnersatz braucht doppelt Pflege
Wer herausnehmbaren Zahnersatz hat, sollte seinen "Dritten" besonderes Augenmerk widmen! Während festsitzender Zahnersatz (wie Kronen oder Brücken) grundsätzlich bei der Zahnreinigung genauso behandelt wird wie die natürlichen Zähne (also regelmäßig nach dem Essen auf allen Zahnflächen gründlich gereinigt), verlangt herausnehmbarer Zahnersatz eine Entfernung von Belägen nicht nur an den Außen-, sondern auch auf den Innenflächen, die auf dem Zahnfleischkamm und dem Gaumen im Unter- oder Oberkiefer aufliegen. Das ist wichtig, denn Essensreste können sich, z.B. bei einer Modellgussprothese oder einer Totalprothese, unter den Kunststoff- bzw. Metallsattel drücken. Werden diese Essensreste nicht entfernt, leidet nicht nur die Prothese, sondern auch die Schleimhaut unter ihr. Abgesehen davon, dass solche oft "versteckten" Essensreste üblen Mundgeruch hervorrufen, können die Zersetzungsprozesse der Speisereste zu Entzündungen der Schleimhaut führen.
Die richtigen "Werkzeuge"
Drei Dinge braucht der Prothesenträger: Wasser, Zahnbürste und Zahnpasta. Zahnärzte geben folgende Tipps für die Reinigung einer herausnehmbaren Prothese:
Wasser
Tagsüber, wenn man keine Zahnbürste zur Hand hat, sollte man sich angewöhnen, die Prothese nach den Mahlzeiten unter fließendem Wasser abzuspülen. Das saubere Gefühl im Mund ist sicher wichtiger als die kleine Unannehmlichkeit, die Prothese im Toilettenraum eines Restaurants oder Hotels kurz und schnell unterm Wasserstrahl abzuspülen. Damit ist man hinsichtlich sorgfältiger Mundhygiene ganz eindeutig korrekter als eventuell irritierte Nicht-Prothesenträger, die die Säuberung ihrer Zähne von Essensresten übergehen!
Es ist sinnvoll, vor dem Reinigen der Prothese Wasser ins Waschbecken zu füllen: Sollte sie beim Säubern aus der Hand gleiten, wird sie vom Wasser aufgefangen, ein Aufprallen auf den harten Waschbeckenboden und dadurch die Bruchgefahr wird verhindert.
Wichtig: Die Prothese nie an den individuellen und millimetergenau angepassten Metallklammern oder sonstigen Befestigungselementen anfassen und halten, sondern immer an den stabilen Kunststoff- oder Metallteilen!
Zahnbürste
Die intensive Reinigung der Prothese (1 x täglich reicht) ist selbstverständlich. Dazu muss man nicht unbedingt eine spezielle Prothesenzahnbürste nehmen: Eine normale tut's auch. Dennoch sind solche speziellen Prothesenzahnbürsten nicht ganz überflüssig: Durch die besondere Form und Anordnung der Borsten wird die Reinigung der etwas schwerer zugänglichen Flächen erleichtert, was besonders Menschen mit eingeschränkter Geschicklichkeit hilft.
Zahnpasta
Für die Reinigung reicht eigentlich eine normale Zahnpasta - die bringt durch den Schaum eine zusätzliche Reinigungswirkung und sorgt zudem für einen frischen, "sauberen" Geschmack. Beachtet werden sollte allerdings, dass manche Zahnpasten eine größere Menge an Schleifkörpern ("Scheuermitteln") enthalten. Die fördern zwar die Plaqueentfernung, besonders stark "abrasive" (=schmirgelnde) Zahnpasten könnten möglicherweise aber langfristig zu Abriebschäden an der Prothese führen. Welche normale Zahnpasta besser und welche weniger gut geeignet ist - das erfährt man bei seinem Zahnarzt. Es ist sicher unnötig zu erwähnen, dass der Einsatz von irgendwelchen Haushaltsreinigern oder Scheuermitteln, wie sie für Küche und Bad zur Verfügung stehen, tabu ist!
Was Sie sonst noch für Ihre Prothese tun können:
Ultraschallgeräte zur Prothesenreinigung und –desinfizierung arbeiten besonders gründlich. Solche Geräte verwenden auch Zahnärzte und Zahntechniker. Sie sind in gut sortierten Haushaltswarengeschäften erhältlich. Bezugsquellen kann auch der Zahnarzt oder Apotheker benennen. In den Behälter wird eine dreiprozentige Wasserstoffsuperoxid-Lösung gefüllt (gibt es in Apotheken) - und 10 Minuten nach dem Einschalten ist die Prothese hygienisch sauber.
Mit der Prothese ins Bett - oder nicht?
Die Frage, ob man vor dem Schlafengehen die Prothese herausnehmen soll oder nicht, kann nur der behandelnde Zahnarzt beantworten - wer hier selbst entscheidet, handelt sich möglicherweise unangenehme Folgen ein. In bestimmten Fällen kann es notwendig sein, die Prothese immer, auch nachts, zu tragen, in anderen nicht. Braucht die Prothese nachts nicht im Mund getragen werden, darf sie aber auf keinen Fall "trocken" auf dem Nachttisch herumliegen - der Kunststoff würde leiden. Eine Prothese braucht das feuchte Milieu um sich und gehört deshalb über Nacht in ein Glas mit Wasser.
Regelmäßig das Zahnfleisch massieren
Auch Prothesenträger sind nicht davon befreit, ihre eigenen Zähne und das Zahnfleisch zu reinigen. Aber gerade Prothesenträger sollten darauf achten, dass sie das Zahnfleisch dabei auch etwas "massieren" (vor allem die Bereiche, die mit der Prothese in Verbindung stehen, also z.B. den Gaumen oder den Kieferkamm). Massieren - das bedeutet: Mit der Zahnbürste wird ein leichter Druck auf das Gewebe ausgeübt, das fördert die Durchblutung und Gesunderhaltung.
Ganz besonders wichtig ist das für Patienten, die eine Totalprothese tragen. Sie vergessen oft, dass nicht nur die Totalprothese gereinigt werden muss, sondern auch das Zahnfleisch Pflege verlangt! Ohne diese regelmäßige und anregende "Stimulation" würde sich das Zahnfleisch schneller abbauen, es wäre anfälliger für Entzündungen.
Was ältere und kranke Menschen beachten sollten
Die zuvor geschilderte Zahnfleischmassage sollte gerade für ältere Menschen zur regelmäßigen, täglichen Gewohnheit werden! Im Alter nehmen die Abbauprozesse im Kieferkamm zu - diese Entwicklung wird man nicht vermeiden, aber deutlich verlangsamen können, wenn das Zahnfleisch immer wieder massiert und dadurch gut durchblutet wird. Wenn ältere Menschen diese Zahnfleischmassage nicht mehr selbst durchführen können, sollte die Reinigung des Gebisses und die Stimulation der Mundschleimhaut im Gaumen und des Zahnfleisches auf dem Kieferkamm zum festen Bestandteil des Pflegeprogramms durch Familienangehörige (oder durch den Pflegedienst in Altenwohnheimen) werden.
Auch bei Menschen, die längere Zeit krank und bettlägerig sind, muss an die Mundhygiene gedacht werden! Verständlicherweise steht in einem solchen Fall zwar die eigentliche Erkrankung im Vordergrund - wenn aber die Mundhygiene vernachlässigt wird, treten nicht selten nach der Gesundung Probleme mit dem Gebiss, den Zähnen und den Prothesen auf. Solche Probleme sind weitgehend vermeidbar, wenn auch der Mund und das Gebiss zum täglichen Pflegeprogramm dazugehören.
Prothesenkennzeichnung sorgt für Ordnung
Besonders in Altenheimen ist die Gefahr groß, dass bei der Reinigung von mehreren Prothesen durch das Pflegepersonal die spätere Zuordnung von Prothese zu Prothesenträger schwierig wird. Ältere Menschen sind oft sehr leidensfähig und bemerken bei einer Totalprothese nicht selbstverständlich, dass es sich nicht um ihre eigene handelt. Für Laien sehen Totalprothesen oft zum Verwechseln aus. Um ein "Vertauschen" zu verhindern, können Prothesen unverwechselbar gekennzeichnet werden. Das ist Sache des Zahnarztes bzw. seines Zahntechnikers. Zuerst wird der Name mit einem Prägegerät auf einen schmalen Kunststoffstreifen gedruckt. Auf der Innenseite der Prothese fräst der Zahntechniker eine genau darauf abgestimmte Fläche heraus, legt den Namenszug ein - und versiegelt die Frässtelle mit einem durchsichtigen Dental-Kunststoff. Die Oberfläche der Prothese ist wieder so glatt und hygienisch wie zuvor - und eine Verwechslung der "Dritten" ist ganz sicher ausgeschlossen.
Denken Sie dran: Vorbeugen ist besser als Zahnersatz!
Mit sorgfältiger Mundhygiene hält man nicht nur seine eigenen Zähne gesund und vermeidet, dass sie allzu früh verloren gehen, sondern man kann auch verhindern oder zumindest hinauszögern, dass die letzten eigenen Zähne, das Zahnfleisch und der Kieferknochen frühzeitig Schaden nehmen, von Bakterien in Zahnbelägen angegriffen und zerstört werden. Mundhygiene ist deshalb immer wichtig - gleichgültig, ob man noch alle seine Zähne hat oder nur noch die "Dritten" !

