Mögliche Komplikationen
Artikel
Sowohl während als auch nach der Behandlung können Komplikationen auftreten, die nach Möglichkeit sofort vom Zahnarzt therapiert werden sollten. Ist dies nicht möglich, so ist die zügige Weiterbehandlung durch Überweisung an einen Oral-Chirurgen, Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurgen oder eine entsprechende Klinik zu veranlassen.
Frakturen und Blutungen möglich
Trotz sorgfältiger Arbeit kann es in Einzelfällen zu Komplikationen kommen, ©KZBV/LopataWährend der Extraktion können Frakturen von Zahnwurzel, knöchernen Anteilen des Zahnfaches, Kronen der Nachbarzähne, des gesamten Unterkiefers oder Anteilen des Oberkiefers aber auch der eingesetzten Instrumente auftreten. Dies ist nicht zwangsläufig auf eine unsachgemäße Behandlung zurückzuführen, sondern unter Umständen durch anatomische oder funktionelle Besonderheiten bedingt. Auch Blutungen aus den Weichgeweben und dem Knochen treten relativ häufig auf, vor allem wenn Entzündungen oder Gerinnungsstörungen vorliegen. In diesem Falle sollte das Blutgerinnsel im Zahnfach stabilisiert (z.B. mit Kollagenvlies) und die Extraktionswunde übernäht werden. Zusätzlich kann der Zahnarzt eine Verbandsplatte eingliedern oder eine bereits vorhandene Prothese zu einer solchen umarbeiten.
Öffnung zur Kieferhöhle
Eine typische Komplikation bei der Extraktion von großen und kleinen Seitenzähnen im Oberkiefer ist die Eröffnung der darüber liegenden Kieferhöhle (eine der Nasennebenhöhlen). Die Wurzeln dieser Zähne liegen relativ dicht unterhalb des knöchernen Kieferhöhlenbodens, so dass nach der Extraktion unter Umständen nur noch die Kieferhöhlenschleimhaut als Grenze zur Mundhöhle vorhanden ist oder eine Verbindung zwischen diesen beiden Höhlen besteht. Weist die Kieferhöhle keine Entzündung auf, so muss diese Verbindung schnellstmöglich operativ verschlossen werden, um die Entstehung einer Entzündung zu verhindern. Entleert sich Eiter oder anderes Sekret aus der eröffneten Kieferhöhle, so muss diese drainiert und gespült werden, bis die Entzündung abgeklungen ist. Dieser Vorgang dauert in der Regel mehrere Tage. Erst danach wird die Öffnung in einem kleinen operativen Eingriff endgültig verschlossen.
Verletzungen der Nerven im Unterkiefer
Im Unterkiefer besteht das größte Risiko in der Verletzung des Nervs, der im Knochen, unterhalb der Wurzeln der Seitenzähne, verläuft. Bei Eröffnung des knöchernen Daches des Nervkanals kann das Gefäßnervenbündel sowohl durch hineingepresste Zahn- oder Füllungsanteile, aber auch durch Instrumente beschädigt werden. Folge ist ein unter Umständen dauerhaftes Taubheitsgefühl in der Unterlippe und im Kieferbereich der betroffenen Kieferseite.
Nachblutungen
Mit zeitlicher Verzögerung kann es zu Nachblutungen und Infektionen der Extraktionswunde kommen. Frühe Nachblutungen treten in der Regel noch am Behandlungstag auf und können in der Regel durch Druck auf die Extraktionswunde mittels Aufbisstupfer oder Stofftaschentuch und Kühlung gestillt werden. Selten ist eine operative Maßnahme notwendig. Vermieden werden muss in diesem Fall häufiges und intensives Ausspülen des Mundes, weil so die Bildung eines stabilen Blutgerinnsels, das das Zahnfach ausfüllen soll, verhindert wird. Anhaltende und späte Nachblutungen (nach mehreren Tagen beginnend) bedürfen der zahnärztlichen Therapie.
Entzündung der Extraktionswunde
Eine Infektion der Extraktionswunde führt zu Schmerzen sowie einem schlechten Geschmack und Geruch. Ursache ist in der Regel eine Besiedlung der Wunde durch die Keime der Mundhöhle. Dies wird begünstigt durch eine ungenügende Blutfüllung des Zahnfaches, die vorzeitige Zersetzung des darin gebildeten Blutgerinnsels und ungenügende Mundhygiene. Die klassische Behandlung besteht in der Reinigung der Knochenwunde und wiederholten Einlage eines Medikamentenstreifens durch den Zahnarzt. Dies führt in der Regel zu einem Abklingen der Beschwerden innerhalb weniger Tage. Bei Patienten mit einer Abwehrschwäche ist ggf. eine zusätzliche antibiotische Behandlung notwendig.
Leichte Schmerzen, Schwellungen mit leichter Einschränkung der Mundöffnung und Blutergüsse können auch nach einer Extraktion auftreten und bedürfen in der Regel keiner speziellen Behandlung. Sind die Beschwerden so stark, dass Schmerzmittel notwendig werden, so sollte auf Präparate mit Acetylsalicylsäure verzichtet werden, da hierdurch eine Nachblutung begünstigt wird.

