Die Behandlung der Parodontitis
Artikel
Autor: Dr. Wolfgang Bengel, Heiligenberg
Eine rechtzeitige und richtige Behandlung der Parodontitis ist überaus wichtig. Falls die Parodontitis nicht richtig behandelt wird, kann Zahnverlust mit all seinen Konsequenzen die Folge sein. Ästhetische und funktionelle Beeinträchtigungen sind hier an erster Stelle zu nennen.
Reinigung der Zahnzwischenräume mit Zahnseide (© Dr. Bengel)Daneben erhöht das Vorhandensein einer unbehandelten Parodontitis das Risiko für Herzerkrankungen und Diabetes. Einige Untersuchungen sprechen dafür, dass sogar Frühgeburt und niedriges Geburtsgewicht ursächlich mit einer Parodontitis der Mutter zusammenhängen können. Zahnverlust mit seinen Folgen sowie die allgemeinmedizinische Bedeutung der Parodontitis haben zur Folge, dass diese Erkrankung - auch wegen ihrer großen Häufigkeit - volkswirtschaftlich eine hohe Bedeutung hat.
Kann ich einer Parodontitis vorbeugen?
Auch wenn Parodontalerkrankungen behandelbar sind, ist es doch sinnvoller, Vorbeugung zu betreiben.
- Am wichtigsten ist es, eine gründliche tägliche Mundhygiene mit Bürste und Zahnzwischenraumbürste/-Zahnseide zu betreiben.
- Ebenfalls wichtig ist es, Risikofaktoren zu reduzieren: Rauchen aufhören bzw. reduzieren, Diabetes einstellen.
- Regelmäßige Kontrollen beim Zahnarzt in Verbindung mit zweimaliger Professioneller Zahnreinigung pro Jahr optimieren die Chancen der Vermeidung parodontaler Erkrankungen.
Wie wird die Parodontitis behandelt?
Die Behandlung der Parodontitis richtet sich vor allem nach Art und Schwere der Erkrankung. Wichtig für den Erfolg der Behandlung ist der Wunsch des Patienten, seine Zähne zu behalten und seine Motivation, den Anweisungen für eine optimale häusliche Pflege zu folgen.
Am Anfang der Behandlung steht eine präzise Diagnostik: klinische und röntgenologische Untersuchung, in manchen Fällen ergänzt durch mikrobiologische Maßnahmen.
Parodontalsonde zur Diagnostik (© Dr. Bengel)Das Spektrum der verschiedenen Behandlungsmethoden reicht von der Professionellen Zahnreinigung bis hin zu chirurgischen Eingriffen. Hauptziel jeder Behandlung ist es, die Bakterienmenge zu reduzieren und so den Entzündungsreiz zu beseitigen.
In der Regel werden zunächst Plaque und Zahnstein sowie harte Ablagerungen unterhalb der Zahnfleischgrenze (Konkremente) entfernt. Dabei werden die Wurzeloberflächen nicht nur gereinigt, sondern auch geglättet. Dies geschieht mit Scalern und Küretten (speziell geformten Handinstrumenten) und mit ultraschallbetriebenen Geräten. Spülungen mit antibakteriellen Mitteln können dazu beitragen, das Bakterienwachstum zu kontrollieren. Ergänzend können auch weitere Verfahren, wie Laser, wenig abrasive Pulverstrahlverfahren, photoaktivierte antimikrobielle Verfahren etc. eingesetzt werden.
Nach dieser ersten Behandlungsphase wird das Ergebnis überprüft und gegebenenfalls korrigiert. Sind sehr tiefe Zahnfleischtaschen von > 6mm vorhanden, kann es erforderlich sein, die Taschen chirurgisch zu behandeln.
Unter bestimmten Voraussetzungen ist es sinnvoll, die Behandlung durch die Anwendung von Antibiotika zu ergänzen. Diese können in Tablettenform (systemisch) gegeben werden oder sie werden direkt in die Zahnfleischtasche eingebracht. Bei systemischer Gabe ist es von Vorteil, vorher eine Keimbestimmung durchzuführen, damit man zielgerichteter behandelt. Es macht keinen Sinn zu versuchen, die Infektion nur mit Antibiotika zu therapieren, ohne die Zähne vorher zu reinigen, weil die Bakterien in ihrem Biofilm vor der Einwirkung durch das antibiotische Medikament fast vollkommen geschützt sind.
Versuche, die Immunantwort durch Medikamente zu verändern, wurden ebenfalls angestellt, können derzeit aber bezüglich ihrer Praxisrelevanz noch nicht abschließend beurteilt werden.
Kann verloren gegangenes Gewebe wieder ersetzt werden?
Fortgeschrittene Parodontitis (© Prof. Hinz, ZFV)Das ideale Therapieziel wäre es, verloren gegangenes Stützgewebe (Kieferknochen, Wurzelhaut etc.) wieder herzustellen.
Dies ist bisher nur teilweise gelungen. Hierfür gibt es verschiedene Behandlungsverfahren:
Nach chirurgischer Öffnung der betreffenden Stelle wird die Zahnoberfläche zunächst gründlich gesäubert. Vor dem Vernähen des vorsichtig zurückgeklappten Zahnfleischs kann in den Knochendefekt ein so genanntes Knochenersatzmaterial eingebracht werden, das dem regenerierenden Knochen als Leitschiene dient und ihn auch zum Wachstum anregen soll.
Bei einem anderen Vorgehen werden Membranen auf den Knochendefekt gelegt, die ein In-die-Tiefe-Wachsen von Bindegewebe und Zahnfleisch-Epithel verhindern sollen. Bei einem anderen Therapieansatz bringt man aus tierischen Zahnanlagen gewonnene Eiweißstoffe in die Wunde ein, die eine Regeneration des Knochens beziehungsweise des Zahnhalteapparates anregen sollen.
Ob solche ergänzenden Maßnahmen erfolgreich sind, hängt sehr von den individuellen Gegebenheiten ab, u.a. auch von der Form des Defekts.
Sprechen Sie gegebenenfalls Ihre Zahnärztin/Ihren Zahnarzt an, ob solche Verfahren bei Ihnen in Frage kommen.
Welche Rolle spielt die Nachsorge?
Von ganz entscheidender Bedeutung für den langfristigen Behandlungserfolg ist die Art der Nachsorge.
Regelmäßig müssen das Behandlungsergebnis überprüft und der momentane Zustand des Zahnfleischs kontrolliert werden. Defizite in der Mundhygiene können dabei frühzeitig entdeckt und behoben werden. Ebenfalls werden Verschlechterungen der Situation oder ein Neuauftreten der Parodontitis früh erkannt.
Mit einer guten Nachsorge steht und fällt der Erfolg bei der Behandlung einer Parodontitis. Sie ist wichtiger als die Frage, welches Therapieverfahren im Einzelnen eingesetzt wurde.

