Frühjahrsfest der Zahnärzteschaft
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Veranstaltungssaal in der Landesvertretung Baden-Württemberg
Am 5. Mai lud der Vorstand der KZBV zum traditionellen Frühjahrsfest in die Landesvertretung Baden-Württemberg am Tiergarten in Berlin ein. Rund 300 Gäste aus Politik, Gesundheitswesen, Selbstverwaltung, Wissenschaft und Medien folgten der Einladung und nutzten den Abend für einen intensiven Austausch in bereichernder Atmosphäre.
Regierungsentwurf für GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz gefährdet vertragszahnärztliche und insbesondere kieferorthopädische Versorgung
Der Vorstandsvorsitzende der KZBV, Martin Hendges, ging in seiner Rede im Schwerpunkt auf den knapp eine Woche zuvor vom Bundeskabinett beschlossenen Entwurf für das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz ein und kritisierte den Entwurf scharf. Das umfangreiche Kostendämpfungsgesetz würde schwerwiegende Einschnitte in das effiziente und gut funktionierende vertragszahnärztliche Versorgungssystem bedeuten. Grundlage für den Gesetzentwurf war der Ende März vorgestellte Bericht der „FinanzKommission Gesundheit“, die vom Bundesgesundheitsministerium beauftragt worden war, Einsparungsvorschläge auszuarbeiten.
Martin Hendges, Vorsitzender des Vorstandes der KZBV
Die KZBV nehme ihre Gemeinwohlverpflichtung sehr ernst und habe sich in den Konsolidierungsprozess eingebracht – wohlwissend, dass der zahnmedizinische Versorgungsbereich systemvergleichend durch die konsequent präventive Ausrichtung eine nachweislich solide und nachhaltige Finanzstruktur aufweist, leitete Hendges seine Rede ein. Insoweit habe sich die KZBV immer auch konstruktiv mit eigenen Vorschlägen für die FinanzKommission Gesundheit eingebracht. Doch während die präventiven Erfolge der Zahnärzteschaft auch von der Politik immer wieder gelobt würden, spiegele sich diese Wertschätzung in der aktuellen Fassung des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz in keiner Form wider.
Die vorgesehenen Regelungen zu weitreichenden Kostendämpfungsmaßnahmen werfen erhebliche fachliche und versorgungspolitische Fragen auf. Die in den vergangenen Jahren erzielten präventionsbasierten Fortschritte drohen konterkariert zu werden, obwohl gerade diese Erfolge wesentlich dazu beigetragen hätten, das System nachhaltig zu entlasten. Durch die geplanten Kostendämpfungsmaßnahmen mit einer strikten Budgetierung würden insbesondere Mengenentwicklungen verhindert werden, welche es zur Verbesserung der Versorgung, etwa im Bereich der Parodontitis-Bekämpfung, bedürfe. Auch die Etablierung neuer Versorgungskonzepte, beispielsweise für die Versorgung vulnerabler Gruppen, sei unter diesen Rahmenbedingungen dann kaum noch möglich.
Äußerst kritisch setzte sich Hendges außerdem mit den vorgesehenen einschneidenden Maßnahmen im Bereich der kieferorthopädischen Versorgung auseinander. Die angedachte Pauschalisierung von Leistungen greife in eine etablierte Versorgungsstruktur ein, ohne mögliches Einsparungspotential zu belegen.
Auch zum geplanten „Fachzahnarztvorbehalt“ in der Kieferorthopädie fand er deutlich Worte: „Einen „Fachzahnarztvorbehalt“ für Kieferorthopädie vorzuschlagen, ohne die Auswirkungen auf die Versorgungslage betrachtet zu haben, ohne zu erkennen, dass ganze Existenzen von kieferorthopädisch tätigen Zahnarztpraxen aufs Spiel gesetzt werden, massive Versorgungsengpässe die Folge sind und es keinerlei Rückkopplung mit uns im Vorfeld des Berichtes gegeben hat, ist grob fahrlässig.“
Es bestehe die klare Erwartung, dass der Gesetzesentwurf im Sinne einer nachhaltigen Versorgung im jetzt anstehenden parlamentarischen Verfahren nachgebessert werde. Die KZBV stehe dabei für einen konstruktiven und respektvollen Austausch zur Verfügung.
Auch BMG sieht noch Nachbesserungsbedarf am eigenen Gesetzentwurf
Der parlamentarische Staatssekretär bei der Bundesministerin für Gesundheit, Tino Sorge, würdigte in seinem Grußwort die kontinuierliche Arbeit der KZBV und die bisher erbrachten Einsparbeiträge der Zahnärzteschaft. Zum Entwurf erklärte er, dass es grundsätzlich keine Alternative zu Einsparungen in allen Leistungsbereichen gebe, auch wenn dies nicht die Versorgungsqualität gefährden dürfe. Im weiteren Verfahren werde man sich genau anschauen, welche Auswirkungen das geplante Gesetz habe und wo man es nachjustieren könne. Mit Blick auf die Maßnahmen im kieferorthopädischen Bereich betonte er „dass wir im parlamentarischen Verfahren an vielen Stellen schauen müssen, wo man gegebenenfalls nachjustiert oder das Gesetz dann noch entsprechend verbessert, weil wir natürlich nicht die Intention haben, im Rahmen von Strukturreformen zum Schluss die Versorgung, gerade im ländlichen Raum, kaputt zu machen.“ Auch hinsichtlich der bisher nicht auskömmlichen Finanzierung von versicherungsfremden Leistungen, vor allem durch die Finanzierung der GKV-Beiträgen der Bürgergeldempfänger aus der Solidargemeinschaft, stellte er klar: „Ich halte das für ordnungspolitisch in der Sache nicht zielführend, dass eine bestimmte Gruppe, in dem Fall die Beitragszahler, gesamtgesellschaftliche Leistungen schultern.“
Sorge kündigte an, den Dialog mit der KZBV zum Gesetzentwurf weiterzuführen. Dabei warb er auch für eine harte und sachliche Diskussion. Außerdem verwies er darauf, dass die FinanzKommission Gesundheit Ende des Jahres mit einem zweiten Bericht weitere, langfristig wirkende Vorschläge für Strukturmaßnahmen unterbreiten werde.
Herausragende Ergebnisse der DMS 6
Die Präsidentin der Bundeszahnärztekammer Dr. Romy Ermler knüpfte in ihrer Rede an die Punkte von Martin Hendges an und betonte die Präventionserfolge, welche auch aus den hervorragenden Ergebnissen der aktuellen Auswertung der DMS 6 hervorgingen. So konnte Karies in den vergangenen Jahren um 90 Prozent gesenkt werden. Sie kritisierte die geplanten Maßnahmen im kieferorthopädischen Bereich und verwies auf schlechteren Zugang zu Behandlungen und längere Wartezeiten, gerade für Kinder und Jugendliche. Lobende Worte fand sie für die Ankündigung der Bundesregierung zur Einführung einer Zuckersteuer, was in einem gesonderten Gesetz beschlossen werden solle.
Der weitere Abend war von guten Gesprächen und intensiven Diskussion u. a. mit den anwesenden Vertretern der Bundesregierung und den Parlamentariern geprägt, dabei immer auch im Mittelpunkt: der Entwurf für das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz.