Neujahrsempfang der BZÄK 2026

Grußwort Martin Hendges

Die Rede wurde am 27. Januar 2026 in Berlin gehalten. Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter der Bundesregierung,
sehr geehrte Abgeordnete des Deutschen Bundestages,
sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich darf Sie auch im Namen der KZBV ganz herzlich begrüßen. Ich wünsche Ihnen für das Jahr 2026 – auch wenn der Januar schon fast zu Ende geht – vor allem viel Gesundheit und Erfolg, aber auch ein entsprechendes Durchhaltevermögen. Frau Dr. Machalet, herzlichen Dank für Ihr Grußwort, das deutlich gemacht hat, welches Maß an Durchhaltevermögen die vor uns liegenden Aufgaben erfordern werden.

Es liegt ein politisch bewegtes Jahr 2025 hinter uns und ein sehr wahrscheinlich noch spannenderes Jahr 2026 vor uns. Ohne zu weit zurückschauen zu wollen, möchte ich aber eine positive Entwicklung aus dem Jahr 2025 voranstellen. Das BMG hat wieder zu einem Dialog mit der Selbstverwaltung zurückgefunden, und zwar auf Augenhöhe.
Und das ist zwingende Voraussetzung, will man die Herausforderungen, vor denen wir alle in der Gesundheitsversorgung stehen, meistern.

Dabei können die immer wieder eingeforderten Strukturreformen, die vor allem auch zur Stabilisierung der GKV-Finanzen führen sollen, nur dann den gewünschten Effekt erzielen, wenn man die Selbstverwaltung frühzeitig einbindet. Frau Warken hat den Dialog mit uns nicht nur angekündigt, sondern ihren Worten auch Taten folgen lassen. Das aktive Zusammenspiel von Finanzkommission und denjenigen, die Reformen nachher in der täglichen Praxis umsetzen müssen, ist ein klarer Beleg dafür. Ich stimme auch Frau Warken zu, dass man bei Reformvorhaben alle Versorgungsbereiche in den Blick nehmen sollte, was aber auch zwingend dazu führen muss, die primären Handlungs- und Problemfelder zu identifizieren.

Vollkommen ungezielte und unreflektierte Kostendämpfungsmaßnahmen, wie wir sie leider in der Vergangenheit immer wieder erleben mussten, mögen zwar nach außen den Eindruck einer entsprechenden Lastenverteilung erwecken, führen aber im Ergebnis zum Gegenteil, wie die Folgen des FinStG in unserem Bereich deutlich zeigen. Wenn sich die Finanzkommission und die Politik die Ausgabenseite und den Health Outcome in unserem Bereich ansehen, dann können sie nur zu einem Ergebnis kommen: Die vertragszahnärztliche Versorgung ist weder ein Kostentreiber, noch stehen die zur Verfügung gestellten Mittel in einem Missverhältnis zum Gesundheitsergebnis!

Ganz im Gegenteil: Wir zeigen mit unserer konsequenten Präventionsausrichtung auf, wie man Kosten stabilisieren und die Mundgesundheit in Deutschland stetig verbessern kann.

Auf die Frage, warum wir so erfolgreich unterwegs sind, gibt es klare Antworten: Prävention führt nur dann zum Erfolg, wenn diejenigen, die sie leben sollen, auch davon überzeugt sind. Das gilt gleichermaßen für unsere Patientinnen und Patienten wie auch für die Zahnärzteschaft. Einerseits Gesundheitsbewusstsein zu schaffen und andererseits den Schwerpunkt auf das Verhindern bzw. Verringern von Krankheitslasten zu legen, ist der Schlüssel zum Erfolg.

Die zweite klare Antwort lautet: Prävention gelingt nur dann, wenn man ein entsprechendes Leistungsangebot dafür auflegt, also in Prävention investiert, und auch Anreize für eine Vorsorgeorientierung schafft. Den Grundstein haben wir selbst gelegt, indem wir als Selbstverwaltung die Versorgungskonzepte aus der Praxis heraus entwickelt haben. Die Bedeutung der gemeinsamen Selbstverwaltung wird dann im nächsten Schritt deutlich, wenn es darum geht, diese Versorgungskonzepte in Richtlinien des G-BA und in ein konkretes Leistungsangebot zu gießen.

Heute blicken wir auf ein zielgruppenspezifisches und präventionsorientiertes Leistungsangebot über alle Lebensphasen hinweg, von der Früherkennung bis hin zur präventiven Betreuung von Menschen mit Pflegebedarf oder Behinderung. Die zahnmedizinische Versorgung ist und bleibt Vorbild für eine effiziente und qualitativ hochwertige Versorgung! Und das können wir mit validen Daten und Fakten belegen.

Einen weiteren wichtigen Punkt möchte ich herausstellen: Mund- und Allgemeingesundheit sind unzertrennlich. Allem voran das Thema „Parodontitis“ mit den zahlreichen Komorbiditäten, wie Diabetes, koronare Herzerkrankungen oder auch Demenz macht deutlich, wie wichtig es ist, Erkrankungen sektorenübergreifend in den Blick zu nehmen. Nicht nur, um Krankheitslasten zu senken, sondern auch um mittel- und langfristig Kosten einzusparen.

Wir haben das deshalb auch detailliert für die Finanzkommission aufbereitet, um transparent zu machen, welche Folgekosten für die GKV entstehen, wenn man die Parodontitis nicht in dem der Prävalenz angemessenen Rahmen bekämpft. In welchem Maße hier das FinStG uns einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, muss allen bewusst sein. Deshalb setzen wir sehr darauf, dass bei den anstehenden Reformen auch dieser Punkt aufgegriffen und unsere neue Parodontitis-Therapie als Vorsorge- u. Früherkennungsmaßnahme gesetzlich verankert wird. Das Einsparpotential liegt deutlich über dem, was man in die präventionsorientierte Parodontitis-Therapie investieren müsste.

Unser Fazit also:

  • Die Zahnmedizin zeigt, wie Prävention, Qualität und Wirtschaftlichkeit in Einklang zu bringen sind!
  • Mund- und Allgemeingesundheit sind unzertrennlich!
  • Wir sind nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung, wenn es um die Stabilisierung der GKV-Finanzen geht!

Deshalb kann unser Appell an die Politik für das Reformjahr 2026 nur lauten: Der differenzierte Blick auf die Ausgaben macht deutlich, in welchen Versorgungsbereichen Reformen ansetzen sollten – gerade in Bezug auf die hohen Ausgabensteigerung im stationären Sektor oder im Bereich Arzneimittel, die ja zusammen bereits heute schon knapp über 50 % der GKV-Leistungsausgaben ausmachen.

Die zielgenaue Stärkung der Prävention muss zu einem Kernelement in der Gesundheitspolitik gemacht werden, um Krankheitslasten zu verringern bzw. zu verhindern und damit Kosten zu senken. Und letztendlich können Reformen nur gelingen, wenn es eine enge Einbindung der Selbstverwaltung gibt und wir gemeinsam Lösungen finden. Wir haben für unseren Bereich auf jeden Fall den richtigen Lösungsweg gefunden und werden den auch weitergehen: Es ist die Kombination von Präventions-orientierung mit einem angemessenen Maß an Eigenverantwortung der GKV-Versicherten, die zu einer stetigen Verbesserung der Mundgesundheit und zu stabilen Ausgaben führt.